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Kultur

Bühne, Bilder, satte Klänge -
Die Kulturszene zwischen kleinen Künsten und großen Auftritten

Bevor am Sonntagabend das Orgelkonzert in der Herforder Marienkirche beginnt, gehen die Zuhörer erst einmal spazieren. Dabei haben sie die Wahl: Sie können die Häuser am Alten Markt genau in den Blick nehmen oder die hochadeligen Äbtissinnen der früheren Fürstabtei kennenlernen, die Neustadt zu Fuß oder die Wallanlagen per Fahrrad erkunden. Versierte Stadtführer erklären, was es mit den Spuren der Geschichte auf sich hat. Zum Schluss treffen sich alle zum Orgelkonzert.

Dann erklingen so ungewohnte Stücke wie The Right Combination for Two Organists at One Organ von Liselotte Kunkel. Die Zuhörer sind auf manches gefasst und offen für neue Eindrücke. Darauf setzt das Programm des Herforder Orgelsommers. Offenheit und Neugierde belohnt es mit frischen Entdeckungen - in der Musik auf den majestätischen Instrumenten der Stadtkirchen wie in Gestalt und Geschichte der alten Hansestadt.

Offenheit und Entdeckerfreude lohnen sich, wenn es im Wittekindsland um Kulturelles geht. Selbst bei alten Bekannten wie dem Sachsenherzog Widukind gibt es Neuigkeiten. Das Museum in Enger, mit dem sächsischen Sagenhelden befasst, zeigt in einer komplett neuen Ausstellung Ergebnisse der brandaktuellen Forschung. Sie beschäftigt sich in naturwissenschaftlich-kriminalistischer Weise mit der Erbinformation des Mannes, dessen Knochen im zentralen Grab der Engerschen Stiftskirche ergraben wurden. Dass es sich tatsächlich um die sterblichen Überreste des Sachsenherzogs handelt, ist nicht bewiesen, aber sehr viel wahrscheinlicher geworden. Die Besucher sind eingeladen, sich selbst ein Bild von Widukind zu machen – wie es die Menschen seit 1200 Jahren tun.

Ein Bild vom Schaffen der zeitgenössischen Künstler im internationalen Maßstab vermittelt MARTa Herford. Im Mai 2005 wurde das Haus eröffnet. Entworfen vom amerikanischen Architekten Frank Gehry und programmatisch geprägt vom belgischen Kunstmanager Jan Hoet, fällt das Projekt in mehrfacher Hinsicht aus dem Rahmen.

Das Gebäude, eine dekonstruktivistische Skulptur, geht dem rechten Winkel aus dem Weg, bezieht den Straßenraum ein und ahmt mit seiner Dachform Wellen nach, die im rückseitigen Bett des Flüsschens Aa zu besichtigen sind. Kunst und Design, für gewöhnlich strikt getrennt, spielen in diesem Konzept tragende Rollen: MARTa untersucht, was beide gemeinsam zu Fragen der Kreativität beitragen, ohne Trennung, ohne Grenze. Gleichzeitig dient das Haus als Sitz der Verbände der Möbelindustrie und als Forum für Veranstaltungen. Es lädt Erwachsene und Kinder, Kunsterfahrene und Neugierige zur Begegnung mit der aktuellen Kunst ein.

Kunst, Design und erste Adresse der Industrie: MARTa hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt.

 
 
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